Zahnstein beim Hund entfernen: Alle Methoden im Überblick

Zahnstein beim Hund entfernen: Alle Methoden im Überblick

Wenn Sie Zahnstein beim Hund entfernen möchten, sollten Sie den Tierarzt Ihres Vertrauens aufsuchen. (Quelle: Maximilian100/shutterstock.com)

Wie beim Menschen bildet sich auch beim Hund Zahnstein, der sich nicht durch gründliches Putzen entfernen lässt. Zahnstein besteht aus den Mineralien des Speichels, die sich im Laufe der Zeit an den Belägen des Zahns festsetzen und häufig von einer Bakterienschicht überzogen sind.

Langfristig führt der Belag zu Parodontitis und im Extremfall zu einer ernsten Beeinträchtigung des Zahnhalteapparats. Am besten ist es, die Entstehung von Plaque und Zahnstein von vornherein zu verhindern. In vielen Fällen ist es jedoch bereits zu spät und Sie müssen den Zahnstein entfernen (lassen). Hierfür gibt es verschiedene Methoden.

Professionelle Zahnreinigung und Zahnsteinentfernung beim Tierarzt

Die effektivste und professionellste Methode ist die Zahnsteinentfernung durch den Tierarzt. Hierfür gibt es verschiedene Verfahren. Da Hunde allgemein unruhiger reagieren als Menschen, erfolgt die Zahnsteinentfernung zumeist unter Narkose. Bei der klassischen Behandlung arbeitet der Tierarzt mit folgenden Instrumenten:

  • Kürette
  • Zange
  • Scaler

Zahnstein entfernen beim Hund – Schritt für Schritt

1. Die Narkose

Zuerst erfolgt eine gründliche Untersuchung des Tiers, um dessen Allgemeinzustand auch hinsichtlich der anstehenden Narkose einzuschätzen. Im Anschluss daran folgt die Sedierung und Intubation. Im Bedarfsfall tamponiert die Tierarzthelferin den Rachenraum mit Tupfern aus und sorgt für einen ausreichenden Abfluss des Speichels und Wassers.

2. Überprüfung des Gebiss-Status

Der Tierarzt überprüft den Zustand der Zähne und des Zahnfleisches. Wichtig ist vor allem die Feststellung der Sulcustiefe. Hierbei misst der Tierarzt mit der Parodontalsonde die Tiefe der Zahnfleischfurche. Eine Tiefe von etwa ein bis zwei Millimeter liegt beim Hund im Normalbereich.

Wichtig ist, dass keine Blutungen auftreten und keine deutlichen Zahnfleischtaschen vorhanden sind. Ansonsten ist davon auszugehen, dass eine Entzündung vorliegt, die einer weiteren Behandlung bedarf.

3. Manuell mechanische Entfernung des Zahnsteins

Mit der Zange und dem Scaler bearbeitet der Zahnarzt den Bereich der Zahnkrone. Für die Wurzeloberfläche verwendet er Küretten. Die Enden der Scaler sind spitz und bergen ein Verletzungsrisiko beim Einsatz im Zahnfach. Küretten verfügen im Gegensatz dazu über stumpfe Enden.

Die Entfernung des Zahnsteins an der Krone erfolgt mit dem Scaler. Mit diesem Instrument lassen sich größere Zahnsteinbrocken absprengen. Auch die Zange dient dazu, grobe Brocken zu entfernen.

Die Anwendung der Kürette ist meist dann notwendig, wenn bereits Parodontitis vorhanden ist. In diesem Fall überzieht der Zahnstein auch die Wurzeloberfläche. Die Kürette reinigt und glättet diesen empfindlichen Bereich. Der Tierarzt führt die stumpfe Kürette bis zum Boden der Zahnfleischtasche. Die Kürettage wäre für den Hund ohne entsprechende Betäubung sehr schmerzhaft.

Wie Sie sehen können, läuft die Zahnsteinentfernung beim Tierarzt nicht sehr viel anders ab als beim Zahnarzt.

Was passiert bei der Zahnsteinentfernung mit Ultraschall?

Neben der manuell mechanischen Behandlung gibt es die Möglichkeit, den Zahnstein mit Ultraschall zu entfernen. Dieses Verfahren ist schmerz- und somit stressfrei.

Die meisten modernen Tierarztpraxen verwenden die Ultraschalltechnik im Anschluss an die manuelle Zahnsteinentfernung. Hierbei beseitigt man mithilfe eines Ultraschall-Zahnstein-Entfernungsgeräts, kurz UZG genannt, die noch auf der Zahnkrone verbliebenen Reste. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um ein piezoelektrisches Gerät.

Wie funktioniert ein Ultraschall-Zahnstein-Entfernungsgerät?

Im Handstück des Ultraschall-Zahnsteinentferners gerät ein Kristall zum Schwingen. Die Schwingungen übertragen sich auf eine Spitze. Es gibt verschiedene solcher Spitzen. Die einen eignen sich für die koronale Zahnsteinentfernung, die anderen reinigen die Wurzeloberfläche.

Der Tierarzt stellt die Wasserzufuhr, Schwingungsintensität und den Reinigungsmodus individuell ein. Aus einem Löchchen am Spitzenschaft tritt Spraynebel, der die Funktion von Kühlwasser erfüllt. Die Wasserkühlung ist sehr wichtig, denn ohne diese wären Schäden am Zahn möglich. Die konstante Wasserkühlung verhindert die Überhitzung des Zahns.

Was ist die Politur?

Kleinste Risse im Schmelz glättet die anschließende Politur. Die Politur beziehungsweise das Polieren macht die Zahnoberfläche glatt und senkt somit das Risiko einer erneuten Zahnsteinbildung.

Kann man Zahnstein beim Hund selbst entfernen?

Im Zoofachhandel gibt es verschiedene Geräte, um den Zahnstein beim Hund selbst zu entfernen. Für viele Tierhalter ist das Angebot verlockend. Schließlich entfallen dann die Kosten für den Tierarzt. Folgende Methoden stehen zur Auswahl:

  • Entfernung mit dem Zahnsteinkratzer
  • Elektrischer Zahnsteinentferner
  • Nanotechnologie
  • Gel oder Spray
  • Pulver als Futterzusatz
  • Anti-Plaque-Finger
  • Kauknochen
  • Zahnpflegespielzeug

1. Eigenhändige Entfernung mit dem Zahnsteinkratzer

Speziell für Hunde gibt es Zahnsteinkratzer. Hierfür benötigen Sie allerdings eine ruhige Hand und die Fähigkeit, konzentriert zu arbeiten. Die Geräte bestehen entweder aus Metall oder einem bruchfesten Hartkunststoff.

Das Entfernen des Zahnsteins erfolgt durch eigenhändiges Kratzen und Schaben. Dabei besteht die Gefahr, dass Sie abrutschen und dabei das Zahnfleisch, die Mundschleimhaut oder den Zahnschmelz verletzen.

2. Elektrischer Zahnsteinentferner für Hunde

So wie es elektrische Zahnbürsten für Menschen gibt, gibt es mittlerweile elektrische Zahnsteinentferner für den Hund.

Zum Set gehören meist verschiedene Aufsätze für das Entfernen von Zahnstein, Zahnflecken, Plaque und zum anschließenden Polieren. Die Bürste lässt sich gut mit Hundezahnpaste für die tägliche Zahnpflege verwenden.

3. Zahnsteinentfernung mit Nanotechnologie

Im Zusammenspiel mit Wasser soll dieser Zahnreiniger mithilfe der 3D-Nanotechnologie seine Wirkung entfalten. Somit lösen sich Zahnstein, Ablagerungen und andere Verunreinigungen. Mit einem Scaler, einem speziellen Schaber, entfernt der Tierhalter groben Schmutz, ehe er das Nanogerät verwendet.

Am Ende des Zahnreinigers befindet sich ein kleiner, mit Wasser zu befeuchtender Schwamm. Das anschließende Putzen geschieht wie mit einer herkömmlichen Zahnbürste. Das Wasser aktiviert die 3D-Nanobeschichtung und der Zahnreiniger entfernt so festsitzende Beläge.

4. Gels und Sprays für die Zahnpflege

Es gibt Präparate, die nach Herstellerangaben dazu in der Lage sind, den Zahnstein binnen weniger Wochen zu beseitigen. Das Mittel tragen Sie entweder als Gel auf die Hundezähne auf oder Sie verwenden ein Spray.

Die speziellen Inhaltsstoffe lösen Beläge und Zahnstein. Zumeist sind in den Präparaten antibakterielle Substanzen enthalten. Chemiefreie Mittel enthalten zum Beispiel ein Zitruskernextrakt und ätherische Öle. Diese Methode ist sehr langwierig. Erfolge zeigen sich zumeist erst nach Wochen.

5. Anti-Zahnstein-Pulver als Futterzusatz

Auch Futterzusätze sollen gegen Zahnstein helfen. Die Empfehlung lautet, dass der Hundehalter das Pulver einmal täglich unter das Futter untermischt. Die Inhaltsstoffe tragen dazu bei, das Hundegebiss von bereits vorhandenem Zahnstein zu befreien und die Entstehung neuer Beläge zu verhindern.

Es gibt zum Beispiel Pulver mit bestimmten Meeresalgen. Deren Inhaltsstoffe gelangen in das Blut und beeinflussen den Speichel so, dass sich die Plaque löst. Kieselerde ist ein weiterer Bestandteil solcher Mittel.

6. Anti-Plaque-Finger zur Vorbeugung

Erhältlich sind auch so genannte Anti-Plaque-Finger. Diese bestehen aus High-Tech-Microfasern mit einer Beschichtung aus Silberionen. Die Freisetzung der aktiven Silberionen entfaltet über einen längeren Zeitraum hinweg eine antibakterielle Wirkung. Sie stülpen den Plaque-Entferner über ihren Zeigefinger, fahren damit über das Hundegebiss und entfernen den Zahnbelag, ehe Zahnstein entstehen kann.

7. Kauknochen füttern

Kauknochen, beispielsweise aus getrockneter Rinderhaut, oder Dental-Sticks tragen dazu bei, Zahnbeläge zu entfernen und somit die Entstehung von Zahnstein zu verhindern. Wichtig ist das regelmäßige Verfüttern der Kauknochen. Das Kauen fördert darüber hinaus auch den direkten Abrieb des Zahnsteins.

8. Zahnpflegespielzeug

Im Handel gibt es Zahnpflegespielzeug wie Kaubälle, die den Abrieb des Zahnsteins ebenfalls unterstützen.

Unser Tipp: Verschiedene Methoden kombinieren

Oft hilft erst die Anwendung verschiedener Methoden bei der Entfernung des Zahnsteins.

Die in den Gels und Sprays enthaltenen Enzyme tragen dazu bei, den Zahnstein aufzuweichen. Das Abkratzen mit dem Scaler ist dann wesentlich einfacher. Aber auch beim Spielen mit den Kaubällen und beim Fressen des Kauknochens löst sich der Zahnstein nach einer entsprechenden Vorbereitung schneller.

Hausmittel gegen Zahnstein?

Ein beliebtes Hausmittel gegen Zahnstein beim Menschen ist das Zähneputzen mit einer Mischung aus Salz und Backpulver oder mit Zitronensaft. Das sollte mehrmals täglich und über einen längeren Zeitraum geschehen, was sehr viel Geduld seitens des Hundes abverlangt.

Außerdem müssten Sie das Gebiss nach der Behandlung gründlich mit Wasser ausspülen, damit keine Reste hängen bleiben oder verschluckt werden, weil das für den Hund giftig wäre.

Deshalb ist von Hausmitteln, die ursprünglich für den Menschen gedacht waren, dringend abzuraten.

Hilft Homöopathie gegen Zahnstein?

Es gibt einige homöopathische Mittel, die den Angaben der Hersteller entsprechend die Entstehung von Zahnstein hemmen. Die Präparate zielen darauf ab, die Zusammensetzung des Speichels zu verändern. Zu diesen Produkten gehören zum Beispiel Fragaria vesca (Walderdbeere), Calculi renales oder Vermiculite.

Bei einem homöopathischen Mittel ist der Wirkstoff jedoch so stark verdünnt, dass er quasi kaum oder gar nicht mehr nachzuweisen ist. Die Wirksamkeit der Homöopathie konnte bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden und Heilversprechen sind diesbezüglich verboten. Es ist also letztendlich reine Glaubenssache, ob sich damit beim Hund Zahnstein reduzieren lässt oder nicht.

Fazit: Zahnstein beim Hund entfernen

Es gibt viele Möglichkeiten, Zahnstein beim Hund zu entfernen. Zahnsteinlösende Präparate und Pflegemittel tragen dazu bei, Beläge zu reduzieren, zeigen aber nicht immer den gewünschten Erfolg.

Wirkungsvoller ist der Einsatz spezieller Instrumente. Wer gut mit Küretten und Scalern umgehen kann und viel Fingerspitzengefühl besitzt, kann es selbst versuchen. Hierbei entstehen allerdings häufig mikroskopisch feine Risse. Da auch ansonsten das Verletzungsrisiko bei einer ungeübten Hand groß ist, empfiehlt sich fast immer der Gang zum Tierarzt.

Befindet sich bereits Zahnstein unterhalb des Zahnfleischsaums, ist der Besuch beim Tierarzt ohnehin unumgänglich.

Letztendlich sollten Sie immer versuchen, Zahnstein beim Hund vorzubeugen, sodass eine Entfernung gar nicht erst nötig ist.

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2020