Mit Kokosöl Zahnstein entfernen: Funktioniert das wirklich? Was bewirkt Ölziehen?

Mit Kokosöl Zahnstein entfernen: Funktioniert das wirklich? Was bewirkt Ölziehen?

Im Netz liest man immer wieder davon, dass man mit Kokosöl Zahnstein entfernen kann. Aber stimmt das wirklich? Wir haben für Sie recherchiert. (Quelle: Yuriy Ivanovskiy/shutterstock.com)

Kokosöl ist seit Jahren in aller Munde und gilt als echter Allrounder. In Gläsern abgefüllt ist es heute nahezu überall im Handel erhältlich und erfreut sich insbesondere in der Fitnessszene großer Beliebtheit.

Immer wieder liest man davon, dass Kokosöl auch zur Mundhygiene beitragen kann. Angeblich soll es sogar dazu in der Lage sein, Zahnstein zu entfernen. Ob das wirklich stimmt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Anwendung: Wie funktioniert die Behandlung mit Kokosöl?

Die Pflege der Zähne mit Kokosöl erfolgt durch das sogenannte Ölziehen. Es hat seinen Ursprung in der ayurvedischen Tradition, die einen engen Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und gesunden Organen herstellt. Durch Ölziehen lassen sich angeblich Bakterien verbannen. Gleichzeitig soll es den Kieferknochen stärken.

Ölziehen erfolgt morgens auf nüchternen Magen. Sie nehmen dabei einen Esslöffel Öl in den Mund und spülen ihn circa 20 Minuten lang hin und her. Nach dem Ausspucken spülen Sie den Mund mehrmals mit warmem Wasser aus. Im Anschluss putzen Sie Ihre Zähne ganz normal.

Worauf Sie beim Ölziehen sonst noch achten sollten, erfahren Sie hier:

  • Vor dem Ölziehen sollte die Zunge gründlich mit einem Zungenschaber gereinigt werden.
  • Im Mund verflüssigt sich das Kokosöl relativ schnell.
  • Sie können die Menge des Kokosöls nach und nach steigern.
  • Während das Öl im Mund ist, sollte es durch bewusstes Spülen, Ziehen und Saugen alle Zahnzwischenräume und Mundwinkel erreichen.
  • Das Öl sollte die ganze Zeit in Bewegung bleiben, um den Speichelfluss anzuregen und Toxine und Bakterien effektiver zu binden.
  • Falls Sie zwischendurch eine Pause brauchen: Einfach das Öl ausspucken und mit einem frischen Löffel Kokosöl fortfahren.
  • Machen sich Ihre Wangen- und Kiefermuskeln bemerkbar, sollten Sie versuchen, das Ölziehen entspannter und unverkrampfter anzugehen.
  • Sie sollten das Öl nicht verschlucken.
  • Nach dem Ölziehen können Sie das Öl bevorzugt in ein Küchentuch spucken und über den Hausmüll entsorgen. So belasten Bakterien und Toxine nicht den Wasserkreislauf und Sie verhindern Fettablagerungen in den Abwasserrohren.
  • Keinesfalls ersetzt Ölziehen eine regelmäßige Reinigung mit Zahnbürste, Zahnpasta und Zahnseide!

Wirkung: Was bewirkt Kokosöl im Mundraum?

Der positive Einfluss von Kokosöl auf die Zahn- und Mundgesundheit wird auf den großen Anteil an Laurinsäure zurückgeführt. Sie macht bis zu 50 Prozent der Inhaltsstoffe aus und ist bekannt für ihre entzündungshemmenden und antibakteriellen Eigenschaften.

Die Wissenschaft scheint dies zu bestätigen. Auch wenn bisher eindeutige Studien zum Ölziehen mit Kokosöl fehlen, haben vereinzelte Studien mit Sesam- und Sonnenblumenöl bereits eine heilende Wirkung bei Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) bestätigt. Zudem zeigten sich Verbesserungen hinsichtlich der Bildung von Plaque.

Die Forscher wiesen darauf hin, dass durch Ölziehen ähnlich gute Ergebnisse erzielt werden konnten wie bei einer Behandlung mit Chlorhexidin. Und das gänzlich ohne Nebenwirkungen wie Beeinflussung des Geschmacksempfindens, Verfärbung von Zähnen oder Auswirkungen auf die Schleimhäute. So erweist sich Ölziehen mit Kokosöl als einfache und erschwingliche Methode, um die Behandlung einer Gingivitis zu unterstützen und aktiv zur Mundgesundheit beizutragen.

Selbst Fachleute, die die Umstände der Studien kritisieren, bestätigen, dass Ölziehen einen positiven Einfluss auf die Bildung von Plaque und Zahnfleischentzündungen hat. Vermutlich deshalb, weil Ölziehen die Vermehrung des Mundhöhlenkeims Streptococcus mutans reduziert.

Lässt sich denn mit Kokosöl Zahnstein entfernen?

Die Ursachen von Zahnstein sind stets in einer mangelnden Mundhygiene und einer daraus resultierenden Ablagerung von bakteriellen Belägen zu finden. Wenn Sie nun durch Ölziehen bakterielle Beläge reduzieren, sinkt logischerweise auch das Risiko der Entstehung von Zahnstein. Kokosöl entfernt allerdings keinen vorhandenen Zahnstein.

Bereits entstandener Zahnstein sollte immer fachgerecht im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung oder in Form des jährlichen Kontrolltermins entfernt werden. Wenn Sie wissen, was Sie tun, können Sie rein theoretisch auch Zahnstein selbst entfernen.

Warum kann Kokosöl ansonsten gut für die Zähne sein?

Auch Zähneputzen mit Kokosöl soll gesund und wirkungsvoll sein. Es befreit die Zähne von Belägen und verzichtet dabei vollständig auf chemische Zusatzstoffe. Bereits aus wenigen Zutaten lässt sich eine Zahnpasta aus Kokosöl herstellen, die verlässlich vor Karies schützt.

Eine solche Zahnpasta nutzt die Tatsache, dass Kokosöl Laurinsäure enthält, die ein basisches Milieu erzeugt und sowohl über antibakterielle als auch über entzündungshemmende Eigenschaften verfügt. Auf diese Weise beugt sie Parodontitis vor und verhindert bakteriell bedingten Mundgeruch.

Zudem sollen auch leicht verfärbte Zähne von einer regelmäßigen Anwendung mit Kokosöl profitieren. Die enthaltene Laurinsäure hellt die Zähne ein wenig auf – und das ganz ohne Chemikalien, die eventuell den Zahnschmelz angreifen. Bei starken Verfärbungen stößt Kokosöl allerdings an seine Grenzen.

Sowohl Ölziehen als auch Zähneputzen mit reinem Kokosöl ersetzen nicht die mechanische Reinigung mit Zahnbürste, Zahnpasta und Zahnseide.

Eigenschaften: Die Wahl des richtigen Kokosöls

Bei Kauf von Kokosöl sollten Sie stets auf hochwertige Bioqualität aus ökologischem Anbau achten. Um von wertvollen Inhaltsstoffen und besonderen Aromen zu profitieren, sollte die Verpackung den Hinweis kaltgepresst, nativ (extra), (extra) virgin oder vierge (extra) enthalten. Am schonendsten wurde handverarbeitetes Kokosöl produziert.

Hochwertiges Kokosöl ist naturbelassen und verzichtet vollständig auf Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Farbstoffe oder künstliche Aromen. Außerdem sollten Sie darauf Wert legen, das Öl in einem Glas zu kaufen.

Erfahrungen: Welche Erfahrungen habe andere mit Ölziehen bzw. Kokosöl im Mundraum gemacht?

Sicher mag es zunächst ungewohnt erscheinen, morgens auf nüchternen Magen 20 Minuten lang einen Löffel Kokosöl im Mund hin- und herzuspülen. Erfahrungsberichte zeigen, dass sich das ständige Schaukeln für die Kieferknochen als durchaus anstrengend herausstellen kann und dass sich 20 Minuten für Ungeduldige leicht wie eine kleine Ewigkeit anfühlen. Eine Tatsache, die sich zudem schlecht in die morgendliche Alltagsroutine einbinden lässt.

Andere können sich noch nicht einmal vorstellen, einen Löffel Kokosöl in den Mund zu nehmen, ohne einen Brechreiz auszulösen. Dennoch blickt Ölziehen auf eine jahrhundertealte Tradition zurück und ist letzten Endes eine Frage der Gewohnheit. Ungeübte können auch zunächst mit einer etwas kleineren Portion Öl starten, sie hat die gleiche Wirkung und der Mund ist nicht gleich so voll.

Fazit: Mit Kokosöl Zahnstein entfernen – Funktioniert das?

Bakterien sind fettlöslich und werden deshalb beim Ölziehen vom Kokosöl aufgenommen. Das Pressen des Öls durch den Mundraum und die Zahnzwischenräume bewirkt eine sanfte Massage des Zahnfleisches, was zu einer besseren Durchblutung führt und die Selbstheilungskräfte aktiviert. Das Öl dringt selbst bis in die tiefsten Zahnfleischtaschen vor.

Auch wenn nicht alle Fachleute von der positiven Wirkung des Ölziehens auf den gesamten Organismus überzeugt sind: Ein positiver Effekt auf die Zahn- und Zahngesundheit ist unumstritten. Deshalb betrachten viele Zahnärzte Ölziehen auch als alternatives Heilverfahren. Mit dieser Methode können Sie die professionelle Behandlung einer Parodontitis von Zuhause aus unterstützen.

Generell kann Ölziehen dazu beitragen, die Mundgesundheit aufrechtzuerhalten oder sie zu verbessern. Dennoch ersetzt es eine gründliche und konsequente Zahn- und Mundhygiene nicht. Hierzu gehören zweimal täglich Zähneputzen, der Gebrauch von Zahnseide bzw. Interdentalbürsten, regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt und eine professionelle Zahnreinigung (PZR) zweimal im Jahr.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie mit Kokosöl zwar die Entstehung von Zahnstein vorbeugen können, vorhandenen Zahnstein entfernen Sie damit jedoch nicht.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 03. März 2021 aktualisiert.