Zahnpasta: Ist Fluorid giftig? Schadet die Substanz der Gesundheit?

Zahnpasta: Ist Fluorid giftig? Schadet die Substanz der Gesundheit?

Wir gehen der Frage nach, ob Fluorid giftig ist. Sollten Sie bewusst zu einer Zahnpasta mit Fluoridzusatz greifen oder besser darauf verzichten? (Quelle: vfhnb12/shutterstock.com)

Fluorid ist in den meisten Zahnpasten enthalten. Das Spurenelement soll unsere Zähne vor Karies schützen, indem es den Zahnschmelz remineralisiert – also stärkt.

In den letzten Jahren ist Fluorid allerdings immer mehr in Verruf geraten. Das Spurenelement gilt als giftig, weshalb es von einigen Menschen mittlerweile gemieden wird.

Aber was ist die Wahrheit? Sollte man Fluorid in Zahnpasta wirklich meiden? Oder handelt es sich hierbei bloß um eine Verschwörungstheorie?

Was ist Fluorid überhaupt?

Fluor ist ein gasförmiger chemischer Grundstoff, der in der Natur nicht frei vorkommt. Man findet ihn nur in fester Verbindung mit anderen Stoffen. Das Spurenelement Fluorid ist eine solche Verbindung. Bei Natriumfluorid handelt es sich beispielsweise um eine Verbindung aus Fluor und Natrium – also Fluor und Salz.

Fluorid ist im menschlichen Körper grundsätzlich kein Fremdstoff. Fluoride sind ein fester Bestandteil unserer Knochen und Zähne. Das Spurenelement befindet sich auch in manchen natürlichen Mineralwässern und in Lebensmitteln wie schwarzem Tee.

Wieso wird Fluorid häufig in Zahnpasta zugesetzt?

Für Fluorid in der Zahnpasta sprechen folgende Gründe:

  • Remineralisation des Zahnschmelzes
  • Bildung einer Schutzschicht
  • Zerstörung schädlicher Bakterien

Fluoride sorgen dafür, dass sich Calciumphosphate rascher in den Zahnschmelz einlagern. Der Zahn wird dadurch von außen gestärkt. Die Fluoride lagern sich auch selbst in den Schmelz ein. Sie beschleunigen die Remineralisation nach Kontakt mit Säure. Beispielsweise nach dem Verzehr von Zitrusfrüchten.

Vor allem fluoridhaltiges Gel, aber auch Zahnpasta, bedecken die Zähne mit einem Schutzfilm, der schädliche Säuren neutralisiert.

Fluoride sind außerdem dazu in der Lage, den Stoffwechsel von Bakterien zu zerstören. Somit hemmen sie die für den Zahn gefährliche Säureproduktion der Bakterien effektiv.

All die oben genannten Fakten tragen zur Zahngesundheit bei, indem sie die Bildung von Karies verhindern und den Zahn stärken.

Wieso sollte Fluorid giftig sein?

Wie bei vielen Substanzen, macht auch hier die Dosis das Gift. Bei einer übermäßigen Aufnahme kann Fluorose entstehen. Dabei handelt es sich um Schmelzschäden an den Zähnen, die sich auf zu viel eingelagertes Fluorid zurückführen lassen.

Auch eine Schädigung der Knochen ist durch „Überhärtung“ theoretisch möglich. Die akuten Symptome einer Überdosis sind Krämpfe bis hin zum Koma oder Herzstillstand. Eine Fluorid-Überdosis kann somit in der Theorie tödlich enden.

Wann ist Fluorid giftig?

Fluorid ist hochtoxisch, wenn Sie zu große Mengen davon aufnehmen. Die durchschnittliche Fluorid-Aufnahme pro Tag bewegt sich zwischen 0,4 und 1,5 Milligramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Tagesdosis von 3,1 bis 3,8 Milligramm.

Eine Zahnpastatube mit 75 Milliliter Inhalt enthält bis zu 150 Milligramm Fluorid. Würden Sie Ihre Zahnpasta jeden Tag komplett runterschlucken, dann hätten Sie etwa vier Milligramm intus.

Um erste Vergiftungserscheinungen zu zeigen, müsste ein durchschnittlich schwerer Erwachsener rund 350 Milligramm Fluorid aufnehmen. Ab einer Menge von etwa fünf Milligramm pro Körpergewicht kommt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Dass Ihnen nach dem Verzehr des Inhalts von zwei bis drei Zahnpastatuben übel wird, ist nur logisch.

Ab welcher Dosis ist Fluorid giftig?

Tot wären Sie bei einem Konsum von etwa fünf bis zehn Gramm Fluorid. Das entspricht einer Menge von rund 30 bis 60 Zahnpastatuben.

Ist Zahnpasta ohne Fluorid sinnvoll?

Um diese Frage zu beantworten, muss man den Nutzen mit dem Risiko sorgfältig abwägen. Das Ergebnis ist eindeutig. Die Antwort lautet: Nein!

Zahnpasta ohne Fluorid bietet einen weitaus geringeren Schutz vor Karies. Der Zahn erhält dann keinen Schutzschild. Eine Remineralisierung des Zahnschmelzes findet nicht statt. Auch eine Eliminierung schädlicher Bakterien bleibt wahrscheinlich aus.

Vor allem Menschen mit schmerzempfindlichen Zähnen profitieren von einem Fluorid-Zusatz in der Zahnpasta. Fluorid verstärkt den Zahnschmelz und macht ihn unempfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen.

Woher kommt der Glaube, dass Zahnpasta mit Fluorid so giftig sei?

Zahnpasta mit Fluorid enthält einen chemischen Zusatz. Und Produkte mit solchen Zusätzen rufen bei bestimmten Personengruppen generell Misstrauen hervor. Dazu gehören vor allem die Verfechter der Naturheilkunde.

In der Naturheilkunde muss alles sanft und natürlich sein. Eine Substanz, die aktiv den Zahnschmelz härtet, wirkt verdächtig. Zumal die künstliche Zufuhr von Fluorid dem Anschein nach eine Errungenschaft der Neuzeit ist.

Dabei wird häufig vergessen, dass Fluorid ein Stoff ist, der schon seit Urzeiten in der Natur existiert. Außerdem lässt man außer Acht, dass die überwiegend fleischfressenden Urmenschen keinen Kariesschutz brauchten, weil zuckerhaltige Lebensmittel ohnehin rar waren. Darüber hinaus musste so ein Steinzeitmenschengebiss ohnehin nicht länger als knapp 40 Jahre halten.

Die Ausnahme: Fluorid und Kinder

Dass fluoridhaltige Zahnpasta die Zahngesundheit bei erwachsenen Menschen fördert, ist klar. Bei Kindern gelten hier jedoch andere Regeln.

Viele Kleinkinder erhalten Fluoridtabletten, um die Zahnbildung zu unterstützen. Ist dies der Fall, dann sollten Sie zum Zähneputzen eine fluoridfreie Kinderzahnpasta verwenden.

Deshalb ist eine Kinderzahnpasta sinnvoll

Kinder sollten immer eine spezielle, auf ihr Alter abgestimmte Zahnpasta benutzen. Kleinkinder im Alter von bis zu vier Jahren sind in der Regel noch nicht dazu in der Lage, die Zahnpasta ordentlich auszuspucken. Die Kinderzahncreme ist so beschaffen, dass ein versehentliches Verschlucken Ihrem Kind nicht schadet.

Da Kinder naturgemäß kleiner sind, benötigen sie auch weniger Fluorid.

So hoch ist der Fluoridgehalt in Kinderzahnpasten:

  • Zahncreme für Kinder bis sechs Jahre: 500 ppm Fluorid
  • Juniorzahnpasta für Kinder von sechs bis zwölf Jahre: 1000 bis 1500 ppm Fluorid

Der Fluoridgehalt der Juniorzahnpasta entspricht dem der Erwachsenenversion.

Übrigens: Auch beim Thema Zahnstein bei Kindern gibt es einige Dinge zu beachten.

Fazit: Ist Fluorid giftig? Ja. Ist Fluorid schädlich? Nein.

Wenn Sie Ihren Zähnen etwas Gutes tun möchten, sollten Sie zu Zahnpasta mit Fluorid greifen. Diese stärkt Ihren Zahnschmelz und tötet schädliche Bakterien ab.

Lediglich Kinder sollten zu Zahnpasta greifen, die frei von Fluoridzusätzen ist.

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2020